Selbstregulationscoaching  -SRcoaching-  bei SRS-ADS /  Diplom Psychologe Dietmar Klimmek

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Methylphenidat-Therapie

Methylphenidat ist eine chemische Verbindung und kann daher das Leben nicht verändern. Eine Therapie kann nur im Bewusstsein der Betroffenen selbst stattfinden.
Methylphenidat ist eine wesentliche Hilfe, da es die Betroffenen vorübergehend von ihren Symptomen befreit.
Wird die Dauer der Methylphenidat-Therapie allerdings nicht sorgfältig genutzt, kehren nach dem Abklingen der Wirkung des Medikamentes die alten Probleme fast unverändert wieder.
Methylphenidat ist eines der am längsten erforschten konventionellen Medikamente auf dem Markt. Es ist erhältlich unter verschiedenen Markennamen. Die bekanntesten sind Medikinet, Ritalin und das Retardmittel Concerta.
Es gibt keine einheitliche Richtlinie, wie dieses Medikament eingenommen werden sollte. Die alte Praxis, es nur für die Phasen zu benutzen, in denen Konzentrationsfähigkeit erforderlich ist, weicht langsam zurück. Aus Erfahrung wurde dazu übergegangen, es konstant über den gesamten Tag verteilt einzunehmen. Für den Betroffenen ist es förderlicher, auf seinem natürlichen Niveau funktionieren zu können, als ständig zwischen verschiedenen Zuständen zu wechseln.
Die Erfahrung zeigt, dass das Medikament nur ca. 2 Stunden und 40 Minuten lang optimal wirkt und daher regelmäßig in diesem Intervall eingenommen werden sollte. Ein sogenannter "Pieper" ist eine große Hilfe, die Einnahmezeitpunkte ohne viel Stress in den Alltag zu integrieren. Retardmittel sind so konzipiert, dass sie den Wirkstoff über einen längeren Zeitraum, in der Regel 6-12 Stunden, abgeben. Sie haben aber den großen Nachteil, dass sie nur in wenigen Abstufungen erhältlich sind und man die Dosis nicht seinem persönlichen Bedarf anpassen kann. Sie werden hauptsächlich von Kindern genutzt, um diese vor einer Stigmatisierung in der Schule zu schützen.
Um die optimale Dosis zu finden, wird die Dosis pro Einnahme nach einem vereinbarten Zeitplan jeweils um 2,5mg erhöht. Sobald wieder verstärkt ADS-Symptome auftreten, z. B. Kontrollverlust oder Apathie, kann man von einer leichten Überdosierung ausgehen und die vorangegangene Dosis als die optimale Dosis annehmen. Generell gilt als allgemeine Regel, dass bei einer Über- oder Unterdosierung die vorhandene ADS-Symptomatik wieder auftritt.
Die am häufigsten vorkommende Nebenwirkung ist Appetitmangel. Störend wirkt sich der Appetitmangel bei Kindern aus, der jedoch mit einem Essensplan ausgeglichen werden kann. Langzeitstudien haben gezeigt, dass betroffene Kinder durch eine Methylphenidat-Therapie keine Wachstumseinbußen hinnehmen müssen.
Ebenfalls fällt auf, dass latente Erkrankungen, also bereits im Körper vorhandene Krankheiten, ausbrechen und sich dann gut behandeln lassen.
Es hat sich gezeigt, dass Psychopharmaka es einem erschweren, die Wirkung von Methylphenidat wahrzunehmen. Wenn andere Medikamente eingenommen werden, z. B. Antidepressiva, empfehle ich mit dem Beginn einer Methylphenidat-Therapie, besser davor, zu entgiften. So hat man die Möglichkeit, die Wirkung von Methylphenidat unbeeinträchtigt für sich zu nutzen und kann die Ursachen seiner vorherigen psychischen Störungen erkennen und bearbeiten. Erfahrungsgemäß legen sich diese in einer gewissenhaft durchgeführten Methylphenidat-Therapie, so dass die vorher eingenommen Psychopharmaka nicht mehr notwendig sind.
Nach meiner Erfahrung dauert eine Methylphenidat-Therapie ungefähr zwei bis drei Jahre. In den ersten acht Monaten bleibt in der Regel die benötigte Dosis relativ konstant. Danach geht sie abrupt nach unten und pendelt sich auf einem niedrigeren Niveau wieder ein. Dieser Übergang wird jedoch meistens nicht wahrgenommen, weshalb dann die Gefahr besteht, überdosiert zu sein und keinen Nutzen mehr von der Medikamenteneinnahme zu haben. Betroffene die es geschafft haben, auf alle Dosisschwankungen sensibel zu reagieren, berichten von einer phasenweisen Senkung der benötigten Dosis bis zum vollständigen Absetzen nach ca. zwei bis drei Jahren.
In dieser Phase ist es besonders wichtig, darauf vorbereitet zu sein, dass alle vorherigen Symptome erneut auftreten. Jedoch kann der Betroffene jetzt erfolgreich gegensteuern, wenn er während der drei Jahre mit Methylphenidat konsequent an sich gearbeitet hat. Die jetzt gefestigten neuen Verhaltensweisen bleiben stabil. Das ist die Basis der eigentlichen Therapie der Selbstregulationsstörung, zu der der Betroffene nun selbst fähig ist.

Methylphenidat-Therapie bei Kindern

Wenn ein Kind das Medikament rechtzeitig erhält und eine fachkundige sowie sorgfältige Einnahme gewährleistet ist, bleiben ihm die negativen Auswirkungen einer Selbstregulationsstörung erspart.
Da das Kind noch keine lange Krankheitsgeschichte hat, ist sein Selbstbild noch nicht so stark von dieser Störung geprägt. Das Kind kann dann seine Fähigkeiten voll zur Entfaltung bringen, seinen Interessen nachgehen und sich im Alltag zurechtfinden.
Eine Schulung zur Körperwahrnehmung und Bewegungskoordination, wie bei allen Kindern, sowie eine helfende Begleitung für die Eltern ist jedoch erforderlich.

Die Realität zeigt jedoch, dass dieser "Normalfall" in einer Methylphenidat-Therapie leider sehr selten vorkommt. Oft wird das Kind von seiner Umwelt stigmatisiert, beispielsweise von nicht beteiligten Erwachsenen, die einer Methylphenidat-Therapie ablehnend gegenüberstehen und sich als Kinderschützer profilieren, während sie dem Kind tatsächlich schaden, indem sie ihre Ablehnung in der Gestalt des Kindes personifizieren. Andere Kinder lassen sich aus natürlicher Sensationsgier von der verbreiteten Stimmung mitziehen und hänseln die betroffenen Kinder. Auch gibt es viele Pädagogen, die sich nie objektiv mit dieser Problematik beschäftigt haben und die Kinder bei ihrer Medikameneinnahme nicht unterstützen können. Ich kenne Fälle, in denen sich die Lehrer und Erzieher geweigert haben, den betroffenen Kindern ihre Medikamente auszuhändigen, ohne sich dieser unterlassenen Hilfeleistung überhaupt bewusst zu sein.
Am Beginn eines SR-Coachings steht auch bei Kindern das Finden der richtigen Medikamenten-Dosis. Auch wenn bereits eine längere Einnahme von Methylphenidat besteht, kann nicht davon ausgegangen werden, dass zu Beginn der Therapie spontan die richtige Dosis gefunden wurde. Das ist ein Prozess, der nur in enger Zusammenarbeit mit den Kindern selbst und ihren Eltern wie auch Lehrern erfolgreich sein kann. Meine Erfahrung zeigt, dass Kinder oft nicht ihre optimale Dosis erhalten, weil sie nicht genügend in den Prozess der Dosisfindung miteinbezogen werden. Eltern trauen ihnen oft nicht zu, die Dosis zu finden, mit denen sie sich am wohlsten fühlen, und erwarten stattdessen von dem Arzt, diese aus dem Stehgreif zu bestimmen. Auch kommt es häufig vor, das Väter durch ihre mangelnde Mitarbeit den Erfolg der Therapie gefährden.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Behauptung, Kinder würden mit Methylphenidat "ruhig gestellt", höchstwahrscheinlich hier ihre Ursache hat. Die Folgen von unbeabsichtigten Überdosierungen werden von den Eltern meistens als natürliche und beabsichtigte (!) Folge der Medikamenteneinnahme betrachtet. Daher wird den Ärzten in der Sprechstunde berichtet, das Medikament habe gut angeschlagen und nun sei alles in Ordnung. Damit geht die Möglichkeit zur Korrektur verloren, denn in der Sprechstunde verhalten sich Kinder oft gehemmt, so dass es für den Arzt sehr schwer ist, eine Überdosierung festzustellen. Im Alltag erhalten diese Kinder oft keine Hilfe, sondern werden nur besorgt betrachtet, weil allgemein vermutet wird, dass hinter der Notwendigkeit, sich so extrem medikamentös zu behindern eine wirklich schwere Störung stehen müsse.
Auch das Gegenteil tritt zu häufig auf - die Kinder werden unterdosiert, es treten keine Veränderungen ein und daraufhin wird die Therapie zum Nachteil des Kindes abgebrochen. Daher ist zu Beginn eines SRcoachings die Aufklärung aller Beteiligten sehr wichtig, damit den Kindern solche Erfahrungen erspart bleiben können.
Wenn die richtige Dosis gefunden wurde, zeigt es sich, ob eine weitere Begleitung des Kindes notwendig ist. Oft ist eine weitere Beratung notwendig, um Dosisschwankungen erkennen zu können. Manchmal tauchen während einer erfolgreich verlaufenden SRS-Therapie Probleme auf, die vorher noch nicht erkennbar waren.

So kenne ich aus meiner Arbeit einen Fall, in dem ein Kind aufgrund seiner neuen Wahrnehmung und seinen Erfahrungen mit der Wirkung von Methylphenidat das Krankheitsbild einer ADHS tiefer zu durchschauen lernte als seine Bezugspersonen und es daher prompt bei seiner Mutter diagnostizierte. Da eine daraufhin konsultierte Ärztin diese "Diagnose" bestätigte, kann ich diesen Fall heranziehen, um zu veranschaulichen, welche für die Eltern unvorhergesehenen Wendungen eine SRS/ADS-Therapie ihrer Kinder nehmen kann. In Auseinandersetzung mit ihren Kindern müssen sie sich oft völlig unvorbereitet selbst mit diesem Krankheitsbild auseinander setzen und sind nur selten dazu bereit.
An diesem Punkt gerät die Therapie oft ins Stocken und die Kinder können ihre neu gewonnene Orientierung nicht aufrecht erhalten, da Kinder und Eltern sich nicht mehr verstehen können.
Tatsächlich tritt dieses Problem häufig auf, da es sich nach aktuellem Wissensstand bei SRS/ADS um eine Störung mit genetischem Anteil handelt. Andere Familienmitglieder können daher auch von dieser Störung betroffen sein, ohne es zu wissen. Hier wird noch einmal deutlich, dass das gesamte soziale Umfeld des Kindes aufgeklärt sein muss und entsprechende Konsequenzen daraus zieht.

Ein afrikanisches Sprichwort sagt: Für die Erziehung eines Kindes braucht man ein ganzes Dorf.

Methylphenidat-Therapie bei Jugendlichen

Eine Methylphenidat-Therapie bei Jugendlichen ist schwieriger als bei Kindern. Jugendliche lassen sich von den in ihrer Szene vorherrschenden "Coolness-Idealen" beeinflussen und reagieren oft abweisend gegenüber einer Methylphenidat-Therapie.
Wenn sie sich aber doch zu einer Therapie entschließen, merken sie schnell, wie sie es geschickt für sich ausnutzen können, dass ihre Eltern in ihrem gewohnheitsmäßigen Umgang mit ihnen stecken bleiben. Diese Jugendlichen sind dann erstaunlich clever darin, für ihre Eltern etwas zu inszenieren, von dem sie sich Vorteile versprechen. Wenn dann noch hinzukommt, dass sie bei ihren Eltern selbst unter Umständen ADS-Symptome erkennen können, droht diese Situation nicht selten zu eskalieren.
Wenn sich die Situation so zugespitzt hat, können oft nur Gespräche zusammen mit Fachleuten Erleichterung schaffen.

Die beste Grundlage für eine erfolgreiche Methylphenidat-Therapie ist ein Elternhaus, in dem sich die Eltern selbst kritisch hinterfragen und verändern können und damit die Veränderungen ihrer Kinder tragen und unterstützen. So wird verhindert, dass eine anfangs vielversprechende Therapie im Chaos endet.

Methylphenidat-Therapie bei Erwachsenen

Auch wenn erwachsene SRS/ADHS-Betroffene eine Nische in der Gesellschaft finden, in der ihre Störung abgepuffert wird, führen sie ein Leben in ständigem Stress und Alarmbereitschaft. Sie spüren genau, dass sie ihre vielfältigen Begabungen und ihre Ressourcen nie ausschöpfen können. Wenn sie ihre Fähigkeiten erkennen und umsetzen wollen, merken sie schnell, dass sie an für sie unerklärliche Grenzen bei der Durchführung stoßen. Das führt sie oft zu dem Verdacht, dass irgendetwas mit ihnen nicht stimmt.

Wenn Erwachsene sich für eine Methylphenidat-Therapie entscheiden, tritt oft ein typisches Problem in Erscheinung. Sie zeigen zwar Krankheitseinsicht, wollen sich dabei aber nicht eingestehen, dass Selbstregulationsstörungen sich nicht als eine abgrenzbare Störung in nur einem Lebensbereich auswirken, sondern alle Lebensbereiche prägen. SRS zeigt sich über das persönliche Verhalten hinaus auch im sozialen Leben oder in besonderen Lebensumständen, die man sich geschaffen hat. Daher beschränken sich Erwachsene oft selbst in ihrer Therapie, indem sie die ADHS-Symptomatik nur für bestimmte Lebensbereiche erkennen, akzeptieren und bearbeiten wollen. Erfahrungsgemäß gehen aber therapeutische Erfolge, die nicht die gesamte Lebensweise umfassen, schnell verloren und das alte Leiden stellt sich wieder ein.

Hier hilft Coaching, ein ganzheitliches Verständnis für die Auswirkungen von Selbstregulationsstörungen zu erlangen und darauf aufbauend eigene Fortschritte in der Lebensbewältigung zu stabilisieren.