


Bei Leistungseinschränkungen von Kindern und Erwachsenen verstärkt auf eine Informationsverarbeitungsstörung zu schließen ist eine sehr neue Praxis und stößt daher noch auf viel Unverständnis. Betrachtet man jedoch das Anwachsen des psychologischen und medizinischen Wissens, ist diese Entwicklung folgerichtig. Die Geschichte der Psychologie ist, wie jede andere wissenschaftlich Disziplin auch, eine Folge von Paradigmenwechseln.
Mit dem Zuwachs von psychologischem Krankheitswissen verschwanden nach und nach auch alle "Idioten", "Dorf-Trottel" oder auch nur die der "Melancholie" Verfallenen von der gesellschaftlichen Bildfläche. Vor nicht langer Zeit sind dann auch Menschen mit Lese- und Rechtschreibschwäche ihren Status als lernbehindert (immerhin ein wissenschaftliches Fachwort) los geworden.
Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir die persönliche Entfaltung eines jeden Menschen als hohes Gut schätzen. Deshalb interessieren wir uns heute mehr als früher in unserer Geschichte für die Ursachen, warum Menschen gewisse Fertigkeiten und Fähigkeiten nicht erwerben können. Wir können für die Zukunft noch weitere Fortschritte in den Diagnosen und Behandlung von Störungen erwarten, die menschliches Potential behindern. Auch wenn diese Störungen uns gegenwärtig noch als "normal" und "gottgegeben" vorkommen.
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