Selbstregulationscoaching  -SRcoaching-  bei SRS-ADS /  Diplom Psychologe Dietmar Klimmek

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Diagnose

Die Prozedur einer Diagnose ist wenig sinnvoll, wenn der Betroffene danach im leeren Raum stehen gelassen wird, ohne dass er sich einer kompetenten Begleitung anvertrauen kann.
Unglücklicherweise werden ADS-Symptome häufig verschiedenen psychologischen oder psychiatrischen Krankheiten zugeordnet. Daher wissen die Betroffenen oft selbst nicht mehr was ihnen fehlt und was ihnen dauerhaft hilft.
Bevor eine Diagnose begonnen wird, muss geklärt sein, ob im Falle eines ADHS der Betroffene sich für eine Methylphenidat-Therapie mit kompetenter Begleitung entscheiden kann.

Eine Diagnose ist im Grunde der Beginn der Behandlung und schafft groβe Erleichterung, wenn sich daraus eine erfolgversprechende Therapie ableiten lässt.
Die neurologischen Aspekte einer SRS/ADS lassen sich theoretisch relativ sicher über eine funktionelle Kernspintomographie feststellen, in welcher chemische Prozesse bei der Informationsverarbeitung im Gehirn sichtbar gemacht werden. Hierbei wird der Glucose- und Sauerstoffgehalt des Blutes in verschiedenen Gehirnarealen gemessen. Der Groβhirnrinde als "Sitz des Bewusstseins" wird dabei die gröβte Bedeutung beigemessen. Über statistische Verfahren werden dann Rückschlüsse auf die Anwesenheit von diversen Neurotransmittern geschlossen. Aber dieses Vorgehen ist sehr teuer und findet in der Praxis zur ADHS-Diagnostik daher keine Anwendung.
Diagnostiker glauben, dass ein ADHS nur mit Hilfe von psychologischen Testverfahren und einem Expertengespräch festzustellen ist. Vor allem bei Kindern werden auch die Schilderungen von Eltern und Lehrern unentbehrlich erachtet.
Das Störungsbild eines ADHS ist jedoch so vielfältig, dass es keinen spezifischen Test dafür gibt. Eine Diagnose kann sich daher nicht auf etwas Konkretes stützen. Die Betroffenen spüren, ob sie mit sich zufrieden sind oder ob sie etwas daran hindert, ihren Interessen und Neigungen nachzugehen. Dieses Spüren ist oft nur ein diffuses Gefühl, dass die Betroffenen nicht klar benennen und einordnen können. In welche Richtung getestet werden könnte, um diesem Gefühl Rechnung zu tragen, ist noch nicht bekannt.
Zur Zeit werden überwiegend Fragebögen zum Verhalten in der Kindheit sowie zur aktuellen Konzentrationsfähigkeit, Stimmungsschwankungen und zur Bewältigung von Alltagsproblemen angewandt.

Trotz aller diagnostischen Schwierigkeiten wird ADS schon lange erfolgreich medikamentös behandelt. Das gibt Betroffenen nach einer erfolgten Diagnose nicht nur die Gewissheit, dass ihre Ahnung sie nicht getäuscht hat, sondern auch die Sicherheit, dass ihre Störung behandelbar ist.
Eine zu schnell abgeschlossene ADHS-Diagnose verleitet allerdings dazu, das Nachdenken über das Wesen der Störung einzustellen. Hinzu kommt, dass das Verschwinden der sichtbaren Symptome nach Beginn der Medikamenteneinnahme zu einer sehr reduzierten Wahrnehmung der Krankheit führt.
Der eigentlichen Folge einer Selbstregulationsstörung, der erwähnten Entfremdung von sich selbst, wird dann keine Aufmerksamkeit mehr gegeben. Besonders Erwachsene benötigen Unterstützung, wenn sie erfahren, dass ihr Selbstbild, in dem sie sich schon lange eingerichtet haben, von ihrer SRS geprägt war.
Da Kinder in ihrer Entwicklung noch groβe Schritte machen, fällt es ihnen dagegen sehr leicht, Veränderungen an sich zuzulassen.
In der Regel stellt sich während der ersten acht bis zehn Wochen der Medikamenteneinnahme heraus, ob der Betroffene wirklich Interesse daran hat, seine eingeschliffenen Verhaltensmuster erfolgreich zu verändern.
Die Diagnose sollte daher auf diese ersten Wochen der Medikamenteneinnahme verlängert werden. In dieser Zeit werden dem Betroffenen seine alten Verhaltensmuster viel bewusster und können damit gezielt in die Diagnose einbezogen werden. Nur auf der Basis dieser neuen Selbstreflexionsfähigkeit kann ein erfolgversprechendes individuelles Therapie-Konzept entwickelt werden.

Informationsverarbeitung

Unter dem Gesichtspunkt der Informationsverarbeitung wird davon ausgegangen, dass bei ADS das Verarbeiten oder Filtern von Reizen aus der Umwelt gestört ist. Solch eine Störung wirkt sich als Anhäufung von menschlichen Fehlverhaltensweisen aus.
Auffällige Merkmale dafür sind inneres und äußeres Getriebensein, hohe Ablenkbarkeit, unbeständige Aufmerksamkeits- und Konzentrationsleistungen, niedrige Frustrationstoleranz, extreme Leistungsschwankungen, körperliche und emotionale Gefühlsextreme, Gier nach starken Reizen und Schwierigkeiten mit zwischenmenschlichen Grenzen und sozialen Regeln.
Alle diese Symptome kann man verschieden stark ausgeprägt nahezu überall in der Gesellschaft finden. Stress und emotionale Belastungen, mögliche Ursachen hierfür, sind nahezu allgegenwärtig. Erst die Anhäufung und Intensität dieser Symptome über das unter den jeweiligen Lebensumständen zu erwartende Maß hinaus, können als Indiz für eine Selbstregulationsstörung angenommen werden. Da aber die Lebensumstände bei keinen zwei Menschen genau gleich sind, gibt es kein einheitliches Maß, an dem man sich orientieren könnte. Oft fließt in die Bewertung des Störungsbildes der Symptome sogar der soziale Status der betreffenden Person mit ein.
Da man es bei einer Selbstregulationsstörung mit der ganzen Bandbreite menschlicher Fehlverhaltensweisen und Fehlfunktionen zu tun hat, ist es aufwendig, sie diagnostisch von anderen psychologischen Krankheitskonstrukten zu trennen. Ebenfalls fällt es sehr schwer und ist allerdings auch nicht angebracht, ein einheitliches Krankheitsbild dafür zu entwerfen.
Bei Leistungseinschränkungen von Kindern und Erwachsenen verstärkt auf eine Informationsverarbeitungsstörung zu schließen ist eine sehr neue Praxis und stößt daher noch auf viel Unverständnis. Betrachtet man jedoch das Anwachsen des psychologischen und medizinischen Wissens, ist diese Entwicklung folgerichtig. Die Geschichte der Psychologie ist, wie jede andere wissenschaftlich Disziplin auch, eine Folge vonParadigmenwechseln.
Mit dem Zuwachs von psychologischem Krankheitswissen verschwanden nach und nach auch alle "Idioten", "Dorf-Trottel" oder auch nur die der "Melancholie" Verfallenen von der gesellschaftlichen Bildfläche. Vor nicht langer Zeit sind dann auch Menschen mit Lese- und Rechtschreibschwäche ihren Status als lernbehindert (immerhin ein wissenschaftliches Fachwort) los geworden.
Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir die persönliche Entfaltung eines jeden Menschen als hohes Gut schätzen. Deshalb interessieren wir uns heute mehr als früher in unserer Geschichte für die Ursachen, warum Menschen gewisse Fertigkeiten und Fähigkeiten nicht erwerben können. Wir können für die Zukunft noch weitere Fortschritte in den Diagnosen und Behandlung von Störungen erwarten, die menschliches Potential behindern. Auch wenn diese Störungen uns gegenwärtig noch als "normal" und "gottgegeben" vorkommen.